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Architektenhäuser stehen in dem Ruf, nur etwas für Gutbetuchte zu
sein. Falsch, sagen Experten und rechnen vor, dass individuell geplante
Eigenheime durchaus mit schlüsselfertigen Standardhäusern konkurrieren können.
Für Carl Steckeweh, Volkswirt beim Bund Deutscher Architekten (BDA),
ist es nur "ein Vorurteil". Aber eines, das sich "hartnäckig
hält". Wer günstig bauen will, so die weit verbreitete Meinung unter Bauherren, sollte nicht zu einem Architekten gehen. Schlüsselfertig gelieferte Standardhäuser von Bauträgergesellschaften seien erheblich billiger als individuell gestaltete Objekte. "Die Realität sieht anders aus", sagt Steckeweh.
Architekten würden inzwischen Einfamilienhäuser entwerfen, deren reale Baukosten im günstigsten Fall 850 Euro pro Quadratmeter betragen.
Bereits seit 1986 bemüht sich der BDA mit dem Wettbewerb "Hohe Qualität - tragbare Kosten" Architekten anzuregen, preiswerte Ein- und Zweifamilienhäuser zu entwerfen. Jedes Jahr präsentieren bis zu 200 Teilnehmer
ihre Zeichnungen einer Jury aus Architekten, Vertretern von Bauherren-Organisationen
und Ingenieuren, die die besten Konzepte prämieren. "Trotz allgemeiner Kostensteigerungen konnte das Preisniveau für Architektenhäuser auf den Stand
von Ende der 80er Jahre gedrückt werden", sagt Steckeweh. Architekten seien heute in der Lage, bei ihren Entwürfen mit Bauträgergesellschaften zu konkurrieren.
Schlechte PR-Arbeit des Architektenstandes
Das Problem: "Die Öffentlichkeit weiß kaum etwas davon", moniert Gerhard Zach, Landesvorsitzender Bayern im Verband Deutscher Architekten (VDA). Nur knapp 13 Prozent aller neuen Ein- und Zweifamilienhäuser werden nach einer Studie des Bauherren-Schutzbundes von Architekten entworfen. Verantwortlich dafür seien die Architekten selber, rügt Zach: "Die
PR-Arbeit unseres Standes ist unter aller Kanone." In der Vergangenheit hätten sich die
Planer und ihre Verbände viel zu sehr darauf kapriziert, mit exklusiven, hochpreisigen Projekten zu werben. Die Folge: "In den Vorstellungen vieler
privater Bauherren steht heute die Arbeit des Architekten für Luxusvilla samt Swimmingpool, aber nicht für ein individuell geplantes, preiswertes Ein- oder Zweifamilienhaus", sagt der VDA-Landesvorsitzende.
Dabei könne der private Bauherr von gänzlich anderen Leistungen der Architekten profitieren. Zum einen sei die Materialwahl freigestellt. Ob Stein,
Porenbeton oder Holz - geplant wird mit dem, was der Bauherr wünscht. Zum anderen könnten Architekten gerade in der jetzigen Krise der Bauwirtschaft die Arbeiten zu besonders günstigen Konditionen von Handwerksbetrieben erledigen lassen. Zach: "Wir sind bei der Auftragsvergabe nicht an
einzelne Firmen gebunden."
Mit Architektenvertrag auf der sicheren Seite
Eine Lanze für die Architekten bricht der Bauherren-Schutzbund. Nach einer Umfrage der Verbraucherschutzorganisation hat fast jeder fünfte Bauherr mit den Folgen von Insolvenzen bei Generalunternehmern, Bauträgern oder beteiligten Handwerksbetrieben zu kämpfen. "Im Durchschnitt beträgt die Schadenssumme mehr als 15.000 Euro", informiert Schutzbund-Sprecher Rainer Huhle. Zwar sei auch ein Architekt nicht davor gefeit, dass ein
Handwerksbetrieb während der Bauphase in Konkurs geht. Jedoch hafte der
Architekt gegenüber dem Bauherrn für sein Werk. Huhle empfiehlt, im Architektenvertrag
Preisobergrenzen für jede Bauphase festzulegen und den Planer mit der
Überwachung aller Leistungsphasen zu betrauen. "Damit ist der Bauherr auf der sicheren
Seite."
Corinna Merzyn, Geschäftsführerin des Verbandes privater Bauherren, rät generell davon ab, Neubauten von Bauträgern oder Generalunternehmern zu erwerben: "Häufig fährt ein Bauherr mit einem Architektenhaus günstiger." Auch sie bestätigt: Da Architekten nicht an bestimmte
Bauunternehmen und Zulieferer gebunden sind, könnten sie besonders preisgünstige Handwerksbetriebe und Lieferanten wählen. Allerdings sollten Bauherren bei der
Wahl ihres Architekten sorgfältig vorgehen. Merzyn rät, Referenzobjekte zu besichtigen und sich die Erfahrungen anderer Bauherren mit dem jeweiligen Architekten schildern
zu lassen. "Wenn vier oder fünf Bauherren mit den Leistungen des Architekten zufrieden waren, ist das ein sehr gutes
Zeichen."
Kontrolle durch Sachverständige lohnt sich
Wer mit einem Bauträger zusammenarbeitet, sollte Vertrag und Baufortschritt von einem unabhängigen Sachverständigen kontrollieren lassen, empfiehlt die Geschäftsführerin. Nach einer Umfrage des Verbandes konnten Bauherren durch Kontrolle und Vertragsnachbesserungen vor Baubeginn im Schnitt rund 16.000 Euro sparen. Mit Stundensätzen von 50 bis 70 Euro sei ein
Sachverständiger erheblich günstiger als die Folgekosten, die Fehler bei der Vertragsgestaltung und Bauausführung nach sich ziehen können.
Es stimme zwar, dass ein Architektenhaus nicht teuer sein muss, sagt Carsten Rieckhoff, Immobilienanalyst bei der Deutschen
Genossenschafts-Hypothekenbank. Doch ebenso unstrittig sei die Tatsache, dass
ein Architektenhaus bei einem späteren Verkauf nicht in jedem Fall einen höheren Erlös bringe. Rieckhoff: "Bei einem individuell geplanten Haus muss der Geschmack des
Bauherren nicht zwangsläufig den der späteren Interessenten treffen."
Entscheidend für den Preis bei Verkauf, egal ob es sich dabei um ein
Architektenhaus oder ein Bauträgerobjekt handelt, sei letztendlich die Lage.
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